Hallo,
HappyABG hat geschrieben:applemax hat geschrieben:Als Termin habe ich den 5. Juni ausgesucht
Wenn Du magst kannst am Rückweg kurz bei mir (Augsburg) auf einen Kaffee vorbei schauen (und/oder auf dem Hinweg) ...
Darüber habe ich kurz nachgedacht, aber weil ich für Hin- und Rückweg Routen ausgewählt habe, die ohnehin mit fast 6 bzw. 7 Stunden berechnet waren, habe ich den Umweg über Augsburg diesmal weggelassen. Den Kaffee trinken wir aber noch
Weil der Thread über 800 mal aufgerufen wurde möchte ich ganz kurz über das Training berichten, vielleicht interessiert es ja jemanden.
- Meine Sorge, dass ich nach sechs Stunden Anfahrt auf der S1000 nicht fit sein könnte, um gleich am nächsten Tag schon wieder 6-8 Stunden Fahrtraining zu machen, war zum Glück völlig unbegründet. Das Motorrad passt so wie es ist offenbar gut zu meiner Körpergrösse (1,75) und auch nach Stunden zwickt und drückt nichts. Einzig die Knie waren am Ende froh, dass sie sich wieder ausstrecken und bewegen durften. Ich habe auf meiner 5 3/4 - Stunden - Fahrt genau einmal für fünf Minuten angehalten: Benzin+Pipi. Zurück genauso, nur dass es sogar eine Stunde länger gedauert hat wegen einer anderen Route.
- Das Training selbst hat der Coach nach meinen eigenen Wünschen gestaltet. Ich habe ihm gesagt, was ich gerne verbessern würde: Langsam fahren, ganz enge Wendungen, Vorbereitung auf Spitzkehren und ansonsten lässiger und entspannter um Kurven fahren. Im Gespräch, beim ersten gemeinsamen Kaffee des Tages, habe ich noch erwähnt dass ich in über 30 Jahren Motorradfahren noch nie ein Sicherheitstraining mitgemacht habe. „Das erledigen wir mit, wenn wir die engen Wendungen machen, ich habe beim ADAC eine Ausbildung zum Sicherheitstrainer gemacht.“
Wir sind dann ein bisschen gefahren, wobei er mich gefilmt hat, und haben die Videos dann beim zweiten Kaffee auf seinem iPad angeschaut. Es war mir wirklich nicht bewusst, wie schlecht ich fahre

Da mussten wir den Rest des Tages dann an vielen Baustellen arbeiten. Körperhaltung: viel zu aufrecht! -> Kinn an den Aussenspiegel!, Handhaltung: Viel zu weit innen an den Griffen -> soweit wie möglich an die Lenkerenden, damit man mehr Hebelarm hat und feinfühliger drücken kann (immerhin wusste ich, dass man durch Drücken steuert und nicht durch Ziehen...) Blickrichtung: Nicht vor das Vorderrad -> sondern immer ans Kurvenende
Und, das wichtigste von allem, die Linie! Vor 30 Jahren in der Fahrschule habe ich nichts von „Hinterschneiden“ gehört, vielleicht war das damals auch noch kein Thema. Und seitdem auch nicht. Jetzt aber schon. Macht es echt einfacher und entspannter - warum hat mir das vorher niemand gesagt
So sind wir dann diverse Kurvenstrecken gefahren, manche auch mehrfach, und ich habe mich bemüht, die Tips umzusetzen. Ab und zu gab es noch ein Video vom Fortschritt anzusehen.
Nach einem starken Regenschauer, während dem wir uns in einem Buswartehäuschen untergestellt haben, sind wir dann im Regen (meine Regensachen habe ich also nicht umsonst mitgenommen) nach Regensburg auf einen großen Parkplatz gefahren für die langsamen Übungen und das Sicherheitstraining. Bei der Fahrt im Regen hat mich mein Coach auch von der Sorge vor nassen Straßen mit den Sportreifen befreit (Bridgestone S23 hat der Vorbesitzer draufgemacht und die sind nach meinen inzwischen 4000 km immer noch drauf, keine Ahnung, wie viel er schon damit gefahren war). Zumindest bei unserer legalen Geschwindigkeit ist überhaupt kein Unterschied zur trockenen Straße zu spüren gewesen.
Auf unserem Übungsplatz, sage ich jetzt so, obwohl es keiner war, aber außer uns war noch ein anderer Fahrlehrer mit seiner Motorradschülerin da, haben wir dann Fahren in Schrittgeschwindigkeit, enge Wendungen mit verschiedenen Techniken (Drücken und mit schleifender Kupplung auf der Hinterbremse), Schlangenlinien um Pylone und Gefahrbremsungen geübt. Hat mein Vertrauen in das ABS am Vorderrad gestärkt, ist mein erstes Motorrad mit ABS. Dann durfte ich mit einem Kreidestrich auf dem Reifen noch ausprobieren, wie viel Schräglage ich mich traue zu fahren: 9 von 10 möglichen „Punkten“ sind es bei diesem ersten Versuch gewesen. Einmal ist mir beim Fahren in Schrittgeschwindigkeit meine Hornisse hingefallen, die Schramme auf meinem Ego ist größer als die Kratzer auf dem Kupplungsdeckel und der Verkleidung. Aber nichts, was ein Lackstift nicht unsichtbar machen könnte. Vielleicht lasse ich es auch so als Warnung und Anreiz, weiterhin regelmässig zu üben!
Die Stunde zurück zu meinem Landgasthof war dann eine Genußfahrt durch den südlichen Bayrischen Wald, die Tachoanzeige war nur selten zweistellig. Das Regengebiet war vollständig durchgezogen, die Straße fast überall trocken und die Sonne kam wieder raus. Hätte ich mir sechs Stunden vorher nicht träumen lassen, wie entspannt man auch mit so einem Motorrad fahren kann. Wir haben uns um 10 Uhr bei meinem Gasthof getroffen und waren um 18 Uhr zurück, während dieser Zeit bin ich höchstens eine Stunde nicht gefahren, also sieben Stunden auf dem Motorrad gesessen. Die Zeit verging wie im Flug! Die gesamte Strecke betrug ziemlich genau 200 Kilometer.
- Ich bin natürlich noch weit davon entfernt, das alles jetzt wirklich zu können, werde ich vielleicht auch nie, denn leider bin ich keine 25 mehr. Ich will nur sicher und entspannt fahren und dabei die maximale Fahrfreude erleben. Und diesem Ziel hat mich der eine Trainingstag sehr viel näher gebracht. Eine der besten Entscheidungen meines (Motorrad-) Lebens. Ursprünglich hatte ich in Erwägung gezogen, ein Gruppentraining beim ADAC zu machen. Aber ein Einzelcoaching auf der echten Straße ist durch nichts zu ersetzen!
- Und schließlich noch dieses: Der Bayrische Wald gehört für mich zu den schönsten Flecken unseres Planeten, zumindest von denen, die ich schon gesehen habe. Ich bin allerdings nicht ganz objektiv, denn ein Zweig meiner Familie kommt von dort. Ein Paradies, nicht nur zum Motorradfahren. Meine Frau kam mit dem Zug nach und wir hatten noch einen schönen Wandertag zwischen meinem Training und der Rückfahrt. Die Wanderung, 25 Kilometer, war allerdings deutlich anstrengender als die drei Tage auf dem Motorrad zusammen

Und die Menschen dort sind alle ausnahmslos freundlich.
Abschließend: Falls jemand mal einen Trainingspartner für dieses Coaching sucht, wäre ich nicht abgeneigt wieder hinzufahren!



Das Avatarbild ist halb echt und halb KI. Wir werden aber zusammen über die Alpen fahren - versprochen!